Bald singen wir wieder:
"Da simmer dabei! Dat es prima! VIVA COLONIA!
Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust
Wir glauben an den lieben Gott und han auch immer Durst...." (Text Höhner)

leise... leiser ...Alaaf!...

Nur kurz.
Um nicht ganz darüber hinwegzugehen.
Heute ist Weiberfastnacht- einer der wichtigsten Feiertage für alle Jecken in und rund um Köln.
(Anderswo natürlich auch)...

Heute wäre ein Tag das Leben laut zu feiern.
Ich hätte mir von der Arbeit frei genommen, mir trotzdem schon früh den Wecker gestellt und überlegt, wer oder was ich spontan sein möchte.
In welche Haut ich schlüpfe.
Meist werfe ich mich in ein düsteres Kostüm, ich liebe das Musical "Tanz der Vampire" und es ist für mich eine unerschöpfliche Inspirationsquelle.
Am gelungensten ist für mich ein Kostüm, wenn man mich kaum erkennt.

Doch heute höre ich nicht dat Trömmelche schlagen sondern nur ein leises Flüstern in meinem Herzen. 
Abgesagt. Abgeschminkt. 
Das Kramen in der Kostümkiste, Schlange stehen vor dem gewählten Saal, rut un wieß, ein Kölsch oder zwei, schmerzende Füße vom Tanzen und die Bützjer fallen aus. 

Ein wenig wehmütig bin ich schon. 
Natürlich war es absehbar und die Notwendigkeit erkenne ich an. 
Trotzdem vermisse ich heute die ausgelassene Stimmung im Saal, die laute Musik und meine Freunde im Arm. 
Den Alltag hinter sich lassen und das Leben feiern. Schunkeln, singen, tanzen.
Ich weiß, es kommt wieder. 

Und ich freue mich wie jeck darauf.


Ein leises Alaaf ihr Lieben - aus der Ferne.



Nur noch eines:
Ich habe ein Lied im Kopf- dank dir lieber Nicole :)
"Mir han jede Kneip op d'r Kopp jestellt
Un jeder hätt vun Dingem Laache verzällt
Dann han mir uns verlore
Em Jetümmel om Alder Maat
Un ich söök Dich jedes Johr
Met d'r Trumm Trumm Trumm...
Mer trecke durch de Veedel
Met d'r Trumm Trumm Trumm...
Bes mer dich jefunge han
Un ich saach
Nie mehr Fastelovend
Nie mehr rut un wieß
Nie mehr Fastelovend
Ohne Dich..."

(Text von Querbeat)

K.


Vom Pläne schmieden. Trotz allem.

Jeder Mensch tickt ja anders. Ich übe mich ständig im Stillhalten. Aushalten geht prinzipiell gut, aber nicht ohne Vorankommen. Ich schweife ab.
Ich schmiede Pläne. Ständig. Auch jetzt, in der Corona Zeit. Mein Terminkalender ist im Jahr 2021 bereits bestens gefüttert mit Vorhaben und Menschen die mir wichtig sind.
Mir ist bewußt, dass es vielleicht auch wieder vom Kalender gestrichen werden muss, aber ich plane trotzdem Termine auf die ich mich freue(n kann).
Ich lass nicht locker.
Bereits zweimal ist ein von mir gebuchter Kurs (Zen-Meditation für Anfänger) aus Gründen abgesagt worden. Wie gesagt, ich übe mich im Stillhalten.
 Ich suche mir den nächst möglichen Termin und reserviere mein nächstes Zeitfenster. Ich möchte der Möglichkeit zum Realisieren genügend Raum bieten.
Unverbesserlich? Vielleicht. Unvernünftig? Ganz bestimmt.
Aber ich glaube daran, dass vieles unter bestimmten Umständen bald wieder möglich ist.
Meine Wandervorhaben und meine Freundinnen-Wochenenden sind eingetütet. Ich werde im Frühjahr an die Ostsee fahren. Vermutlich.
Und ich freue mich darauf. Auf jeden Fall und immer.
In den Sommerurlaub fahre ich mit dem Auto. In die Berge. Zum Atem-rauben-lassen und mich über jeden geschafften Höhenmeter freuen

Die Eintragungen im Kalender mache ich übrigens mit Bleistift.
K.


aNdERs

Noch zwei Tage bis Weihnachten.
Dieses Jahr ist alles anders. Überall.
Wir alle werden in diesem Jahr ein besonderes Weihnachten erleben, anders als geplant, völlig anders als gewünscht.
Vermutlich hat sich jeder von uns in der Vergangenheit schon einmal gewünscht, eine Entschleunigung zu Weihnachten zu erleben.
Aber auch das vermutlich vollkommen anders...

***

Ich persönlich habe von einer Hütte in den Bergen geträumt, von knöcheltiefem, knirschendem, frisch gefallenem Schnee, Eisblumen am Fenster und einem knisterndem Feuer im Kamin. Der Geruch des Tannenbaums im Raum.
Eine rustikale Stube  - mit einem alten Holztisch, vielleicht mit einer rot-weiß-karierten Tischdecke  und einer brennenden Kerze gedeckt.  Ein Tisch, der von vielen geselligen Zusammenkünften zu erzählen weiß.
Eine Brotzeit und ein gutes Glas Rotwein.
Leise Musik im Hintergrund, ein aufgeschlagenes Buch in Reichweite und rote Wangen vom langen Tag im Schnee. Glänzende Augen. Langsam verglimmendes Festtagsgefunkel.
Hände, die wieder auftauen und Füße in dicken, wollenen Strümpfen.
Angenehme, ruhige Müdigkeit.

***

Ich war heute draußen, habe immer noch kalte Hände und rote Wangen und werde mir gleich warme Strümpfe anziehen. Das Feuer im Kamin brennt und ich habe sogar schon den Christbaum geschmückt.
Statt der Brotzeit gibt es heute Spaghetti Carbonara zu dem guten Glas Wein.
Entkorkt ist er bereits.
Schnee kommt erfahrungsgemäß eher im Januar oder Februar und bleibt mit ein wenig Glück sogar ein paar Tage liegen.
Ich bin entschleunigt.
Anders als geplant. Aber ich gestatte mir, zur Ruhe zu kommen.
Meine Träume und Pläne nehme ich mit ins kommende Jahr - Sie laufen mir nicht weg.
Ich werde, wie vorher auch  schon sehr bewusst- mir meine Zeiten nehmen wie sie es mir gestatten.
Ich werde wieder aufs innigste Freunde umarmen.
Die Berge sehen.

Im Sommer sind sie auch wunderschön.

***

Ich wünsche Euch von Herzen eine erholsame Weihnachtszeit, mit zauberschönen Momenten. Genießt, was ist.
Bleibt gesund, passt auf Euch auf.

Nächstes Jahr wird es wieder anders.

K.


(Dezember, um Nikolaus)

Vom Warten

auf etwas. Oder darauf,  dass es vorbeigeht
(Nur ganz kurz. Um dich nicht warten zu lassen)

Für mich hat sich das Warten in der letzten Zeit verändert. Ich bin nahezu unbemerkt geduldig geworden.
Erschreckend.
Ob es anderen Menschen aufgefallen ist, weiß ich nicht. Aber mich hat das Erkennen meiner neuen Gelassenheit fast ein wenig überrascht.
Angekündigt hat sie sich mit einem leisen Schulterzucken, einem müden Lächeln und einem Was-soll´s-Gedanken.
Was soll ich dazu sagen?
Ist gut so. Ich komme bestens damit zurecht.
Meinem Umfeld erscheint das vielleicht manchmal ein wenig suspekt. Wo sind sie hin, die fahrigen Emotionen? Die Unruhe, immer schon einen Schritt weiter sein zu wollen als zu können.
Vielleicht sollten sich manche Entwicklungen doch besser mit einem lauten Knall bemerkbar machen, dann ist jeder vorgewarnt.
Doch zurück zum selbstgewählten Thema.
Warten.
Der erste Satz, der mir dazu einfällt ist "Wir warten aufs Christkind". Auch das machen wir alle gerade irgendwie.
Und auf ein Wunder. Genauer gesagt, nicht auf EIN Wunder, sondern auf DAS Wunder, was uns unseren Alltag zurückbringt.
Unser gewohntes Leben mit den jetzt so knapp gewordenen Freiheiten.
Das Gemeinsame. Das Leben. Das Feiern. Das Leben feiern.
Da fällt mir ein: Warten ist auch Hoffnung.
Auf ein lang ersehntes Wiedersehen.
Ein Ereignis, das sich ankündigt.
Oder dringend gebraucht wird.
Warten zieht unsere Zeit in andere Dimensionen.
Und erschwert an manchen Tagen, im Augenblick zu sein und ihn zu genießen.
Aber wir warten und hoffen.
Und atmen.
Im Idealfall gelassen lächelnd.
Denn wir beschleunigen mit Ungeduld nur unseren Puls. Nicht das Eintreffen auf das Erhoffte.

Vielleicht ist die Antwort auf Warten:
Kommenlassen.

Ich lasse jetzt den Abend kommen und Ruhe einkehren in das letzte Licht des Tages. Heiße willkommen was kommt.
Habt den Abend schön ihr Lieben...

K.



(Irgendwann im November)

Bloggen?

Ich fang dann einfach mal an.

Es ist ziemlich persönlich. 
(Aber es ist auch für meinen Sohn okay, dass ich es hier erzähle)






Ich bin schon sehr oft gefragt worden, wann und warum ich angefangen habe zu schreiben...
Impuls war ein Ereignis - davon gibt es ja viele im Leben. Manche schaffen es mit ihrer Präsenz und der einhergehenden Veränderung ganz eindringlich nach oben.

Teilen das Leben in ein VORHER und NACHHER.

Das Ereignis, das mir diesen Punkt mit Nachdruck setzte, war für mich damals die plötzliche Diagnose der Krankheit unseres Sohnes , die wie ein schrecklicher Irrtum über uns hereinbrach.

 

Ausgerechnet am Valentinstag, sonnig und vielversprechend war er... wurde mein damals 12-jähriger Sohn als Notfall in die Kinderonkologie bestellt.

Ein paar Stunden zuvor waren wir zu einer Routineuntersuchung in der Kinderklinik, bei der eine Blutabnahme vorgenommen wurde.
Die Auswertung ging schnell und die extrem hohe Leukozytenzahl im Blut war ein eindringlicher Alarm.
Dieser Wert deutete sofort auf eine CML hin, die chronische myeloische Leukämie, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte.

Und ich mochte meinen Ohren kaum trauen, als die Ärztin bei ihren Erläuterungen erwähnte, mit ein wenig Glück würde unser Sohn an einer chronischen Form der Leukämie leiden.

Glück, chronisch und Leukämie in einem einzigen Satz?

Es hat ein ganzes Stück Zeit und Weg gedauert, um das zu verdauen und zu verstehen. Und ja, wir haben Glück.

Eine extrem seltene Krankheit bei Kindern. Von all den Kindern, die wir in dem Klinikaufenthalt in der Onkologie kennengelernt haben war mein Sohn der Glückspilz, die Ausnahme - mit einer Krankheit, die man durch Medikamente in Schach hält, Hoffnung auf Heilung in eine realistische Zukunft rückt und mit der man ein nahezu normales Leben weiterführen kann.

Leicht war es nicht, für keinen von uns. Mein Sohn hatte vorher keinerlei Beschwerden verspürt und wurde nun mit solch einer Diagnose konfrontiert. Leukämie. Krebs. 
Er kannte den Begriff doch kaum. 
Es folgten heftige Schmerzen, verursacht durch die schwindelerregend hohen Zahl an Krebszellen im Blut und Knochenmark. Übelkeit, zahllose Untersuchungen in allen Abteilungen der Klinik, Punktionen.
Eine einschüchternde Aussicht auf eine andauernde Chemotherapie in Tablettenform. 
Angst. Vor dem was ist, noch kommt.

Nach 16 Tagen stationären Aufenthalt waren die Leukozyten soweit abgesunken, das wir wieder nach Hause durften. Mit der Vereinbarung, alle paar Tage zur Kontrolle in der Klinik vorstellig zu werden.
Mein Sohn war stark geschwächt. Schweigsam. Viel zu leise. 
Viel zu demütig. Das waren wir alle.

 

Aber: die Zeit heilte auch hier.
Unsere Zuversicht.
Unsere Kraft.
Allerdings nicht alle Wunden.

Das war 2017. Nun ist einige Zeit ist vergangen.
Es ist passiert, was ich damals nicht zu hoffen gewagt habe. Wir haben wieder einen sehr gut funktionierenden Alltag.
Meinem Sohn geht wirklich gut. Er kann wieder alles machen, was er vor seiner Krankheit auch gemacht hat.
Ein fast normales Leben.
Wir haben Vertrauen gefasst, in den Weg der vor uns liegt.
Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, die uns an die Hand nahmen und aufhalfen.
Diese Zeit hat alles verändert.
Nichts ist mehr selbstverständlich.
Nicht wirklich viel ist wichtig.
Ich bin dankbar, ich bin zuversichtlich.

Die regelmäßigen Kontrollen in der Onkologie werden uns weiter begleiten. Sie gehören jetzt dazu. Auch das Herzklopfen wenn die Ergebnisse kommen.

Und ich bin unsagbar stolz auf meinen Sohn. Er hat nie geklagt, er hat nie mit seinem Schicksal gehadert. Er hat mir gezeigt, wie man Dinge annimmt, die man nicht ändern kann und dann das Beste daraus macht.
Er hat mir gezeigt was Mut heißt. Wie man ihn buchstabiert. Für mich ist er der stärkste, optimistischste und humorvollste Mensch den ich kenne.

Lektion gelernt:
Es gibt immer Hoffnung. Und es geht weiter. Immer.

P.S. Ich schreibe hier ganz bewusst ziemlich neutral. 
Ereignis und Entwicklung. Ein paar Fakten-Happen. 
Wichtig war mir immer, anderen Mut zu machen. Ich habe in dieser Zeit das ganze Internet auf den Kopf gestellt um mehr über diese Krankheit und Informationen zu Fällen  bei Kindern mit CML zu finden. 
Es gibt einen Elternverein für Kinder mit CML. Dieser Kontakt hat mir/uns sehr geholfen. Erfahrungen austauschen, Mut machen. 
Ich könnte natürlich ein Buch über diese Zeit füllen. Über das, was es mit unserer Familie gemacht hat. Wie großartig der große Bruder war und ist. Wie sehr es die beiden Geschwister zusammengeschweisst hat. Und wie Freunde und Umfeld reagiert haben. 
Aber das gehört nicht hierher. 
Noch Fragen? 

Du weißt, wo du mich findest.

K.

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